Deutschland mag keine Elektroautos

Knapp 1.850 Anträge wurden bis Mitte August 2016 für die Elektroauto-Prämie gestellt. Die Zahl ist deprimierend niedrig. Aber woran liegt die Zurückhaltung der möglichen Käufer? Bei den knapp 1.850 Anträgen ist noch zu berücksichtigen, dass mehr als 30 Prozent einen Antrag für einen Verbrennungsmotor mit Plug-in Hybrid (z.B. Volvo XC90 T8 Twin Engine) gestellt haben und hier 3.000 Euro Förderung erhalten. Es ist jedoch nicht die deutsche Skepsis, welche sich in der Kaufzurückhaltung ausdrückt. Denn Elektroautos haben noch immer drei große Probleme, die für den Käufer nicht gelöst wurden: Preis, Infrastruktur und Reichweite.

Preis Elektroauto

Ob BMW, Ford oder Tesla. Elektroautos sind teuer. Ein Ford Focus startet bei 16.450 Euro, während die Focus Elektroversion ab 39.900 Euro vom Band rollt. Ähnlich verhält es sich mit dem BMW I3, der auf knapp 47.000 Euro bei einer maximalen Reichweite von 250 km. kommt. Und mit einer guten Ausstattung wird der Elektrowagen noch teurer. Zwar soll der Volks-Tesla 3 Ende 2017 ab 35.000 Euro auf den Markt kommen, dies ist jedoch ebenfalls nur der Einstiegspreis. Oftmals kommt noch Batteriemiete oder der Aufpreis für eine größere Batterie hinzu. Mit einem 24.000 Euro Nissan schafft man derzeit maximal 170 km., hat jedoch noch Batteriekosten in Höhe von ca. 89 Euro monatlich zu tragen. Das Elektroauto wird zu hohen Preisen verkauft. Wirtschaftlich ist der Elektrowagen derzeit unsinnig.

Zudem gibt es eine große Unsicherheit in der Lebensdauer und den Folgekosten des Akkus. Ein Austausch kostet ab ca. 7.000 Euro und ist damit teurer als ein Benzinmotor. Ferner fehlen Erfahrungswerte. Zwar könnte man als Argument anführen, dass die gesparten Wartungskosten einen Teil des Akkus bezahlen. Aber Ferrari bietet sieben Jahre kostenlosen Kundendienst an, bei Land Rover und Jaguar sind es inzwischen drei Jahre ohne Kilometerbegrenzung. Dieses Argument kann man auch nicht mehr gelten lassen.

Range Rover Hybrid vorne blauInfrastruktur Elektroauto

Sobald man den Kauf eines Elektroautos in Betracht zieht, gilt die Frage der Ladestation. Wer nicht über eine eigene Garage verfügt, sondern in einer öffentlichen Tiefgarage oder auf der Straße parkt, kann unmöglich sein Auto aufladen. Und auch auf Betriebsparkplätzen, Einkaufszentren und in der Innenstadt fehlen die Ladestationen. Zumal die freien Ladestationen oft belegt, oder sogar von Benzinern zugeparkt sind. Der Nutzer hat keine Möglichkeit, den Aufladevorgang im normalen Tagesablauf abzuwickeln und am Abend parkt er auf der Straße und kann ebenfalls seinen leeren Akku nicht mit Strom befüllen.

Reichweitenangst Elektroauto

Immerhin wird die Reichweite Stück für Stück erhöht, jedoch möchte der heutige Autofahrer auf Radio und Klimaanlage nicht mehr verzichten. Auch teilautonomes Fahren verbraucht fünfmal mehr Energie. Neuere Modelle erreichen maximal 300 Kilometer mit einer Ladung. Aber nur bei sanfter Fahrweise, wenig Bergen, keinen Minusgraden und unter Abschaltung vieler elektrischer Verbraucher. Sich jetzt entscheiden, bedeutet, dass man schnell wieder zur Steckdose muss und selbst Strecken mit 250 km. sorgfältig planen sollte. Der deutsche Käufer wartet ab, denn er hofft auf die übernächste Generation von Elektroautos mit 75 kWh Akku. Der neue Nissan LEAF soll demnächst mit einer 60kWh Batterie vorgestellt werden und eine Reichweite von 400 bis 500 Elektro-Kilometer erreichen.

Jaguar Hybrid Sportwagen PrototypeTesla erwirtschaftet ständig Verlust

Die Zulassungszahlen in Deutschland sind gering und sogar rückläufig. In anderen Ländern funktioniert der Verkauf nur mit deutlicher Hilfe des Staates. In China wurden in den ersten sechs Monaten über 170.000 Elektroautos verkauft. Hier wird dies jedoch von der Regierung verordnet und in den Markt gedrückt. Ob dies zu einer Verbesserung des Klimas führt, bleibt abzuwarten, wenn der Chinese seinen Strom aus der Steckdose, erstellt von Kohle einspeist. Nachhaltig wäre nur die Einspeisung mit selbst produzierten Strom aus der Solaranlage. Die Zukunft der Elektromobilität kann gut an E-Bikes gesehen werden. Immer mehr Menschen nutzen ein E-Bike in der Freizeit. Jedoch nicht um sich nachhaltig zu bewegen, sondern um Sport zu betreiben, ohne sich anstrengen zu müssen.

Und Tesla muss beweisen, dass man trotz großer Nachfrage auch Elektroautos mit Gewinn bauen kann. Ein Unternehmen, dass seit 13. Quartalen Verlust erwirtschaftet (Q2 2016 alleine 263 Mio. Euro Verlust) und seine Produktionspläne nicht einhält, jedoch noch kein funktionierendes Verkaufsnetz hat, wird es schwer haben. Zur Zeit steht pro verkauften Auto ein Verlust von 19.000 US Dollar an. Trotz einer Gewinnmarge von 23 Prozent. Würden Sie sich derzeit ein Elektroauto kaufen?

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